Seite: Mikronährstoffe könnten bei HS/Ai/MV relevant sein!

Mikronährstoffe könnten bei HS/Ai/MV relevant sein!
Leider wird dem Thema Mikronährstoffe in der klassischen Schulmedizin zu wenig Beachtung geschenkt. Dabei deuten vermehrt Hinweise darauf hin, dass Mikronährstoffmängel bei Patienten mit Hidradenitis suppurativa (HS)/Akne inversa (Ai)/Morbus Verneuil (MV) eine Rolle spielen könnten. Sowohl bei der Entstehung als auch im Verlauf der Erkrankung.

Warum könnten Mikronährstoffe bei HS relevant sein?

1. Chronische Entzündung = erhöhter Verbrauch
HS/Ai/MV ist eine systemische Entzündungskrankheit. Der Körper verbraucht dabei vermehrt bestimmte Nährstoffe, die für das Immunsystem und die Zellreparatur wichtig sind.

2. Beeinträchtigte Resorption
Übergewicht, chronische Entzündungen, Medikamente (z.B. Antibiotika, Schmerzmittel) können die Aufnahme von Mikronährstoffen stören. Auch die Risikofaktoren wie Übergewicht und Rauchen beeinträchtigen die Nährstoffversorgung.

3. Studienlage (wenn auch begrenzt)
Einige Studien deuten auf Zusammenhänge zwischen Mikronährstoffmängeln und HS hin – insbesondere bei Vitamin D, Zink und Eisen.


4. Ai-Club eigene Umfrage: Mikronährstoff-Check – Wurde das bei euch schon mal gemacht?
An unserer Umfrage zum Thema Mikronährstoff-Check bei HS/Ai/MV haben insgesamt 316 Personen teilgenommen. Die Ergebnisse verteilen sich wie folgt:


• 14 Personen (5 %) gaben an, dass ihr Arzt eine Mikronährstoffanalyse durchgeführt hat.
• 12 Personen (4 %) haben eine Mikronährstoffanalyse beim Hausarzt, nicht beim Hautarzt, durchführen lassen.
• 9 Personen (2 %) hatten die Analyse aufgrund einer anderen Erkrankung als HS/AI/MV.
• 44 Personen (13 %) haben die Mikronährstoffanalyse selbst veranlasst und bezahlt.
153 Personen (49 %) haben noch nie eine Mikronährstoffuntersuchung erhalten.
84 Personen (27 %) wussten gar nicht, dass Mikronährstoffe bei HS/AI/MV relevant sein könnten.

Dies ist natürlich nicht repräsentativ, zeigt aber einen deutlichen Querschnitt unserer Situation. Fast ein Drittel weiss überhaupt nicht, dass die Mikronährstoffe relevant sein könnten. Fast genau die Hälfte hatten dies noch nie untersucht bekommen. Gerade mal ein Viertel hat eine Blutanalyse erhalten, davon mussten aber über die Hälfte dies selbst veranlassen.



Welche Mikronährstoffe sollte man bei HS kontrollieren?

Magnesium
Magnesium ist essenziell für zahlreiche Stoffwechselprozesse, darunter die Regulation des Immunsystems, die Entzündungshemmung und die Muskel- sowie Nervenfunktion.


● Entzündungshemmende Wirkung: Magnesium kann die Produktion proentzündlicher Zytokine reduzieren.
● Resorptionsstörungen: Chronische Entzündungen, bestimmte Medikamente (z. B. Protonenpumpenhemmer, Antibiotika) und Darmprobleme können die Aufnahme von Magnesium verringern.
● Stress und Muskelverspannungen: Ein Magnesiummangel kann zu erhöhter Stressanfälligkeit, Schlafproblemen und Muskelkrämpfen führen.
● Zusammenhang mit Insulinresistenz: Magnesium spielt eine wichtige Rolle im Glukosestoffwechsel – relevant, da viele HS-Patienten unter metabolischen Begleiterkrankungen leiden.

Obwohl spezifische Studien zum Zusammenhang zwischen Magnesium und HS begrenzt sind, deuten einige Hinweise darauf hin, dass eine ausreichende Magnesiumzufuhr die Behandlung von chronisch entzündlichen Erkrankungen unterstützen kann.


Vitamin D (25-Hydroxyvitamin D)
Viele HS-Patienten haben einen Mangel, der mit einer erhöhten Entzündungsneigung assoziiert ist. Durch die Supplementierung könnte die Schubrate gesenkt werden.


Begründung:
Wir haben in unserem Ai-Club folgende Umfrage gestartet: Wie steht es um euren Vitamin-D-Wert?
Das Ergebnis ist erschreckend. Insgesamt gab es 79 Antworten, davon kennen 28 Personen (36 %) ihren Wert nicht.
Als HS-Betroffener sollte man aufgrund der hohen Entzündungsneigung einen Vitamin D Wert ab 60 ng/ml anstreben. Dies geben lediglich 6 Betroffene an.
Erstaunliche 39 Betroffene haben eine gravierende Unterversorgung (0 - 40 ng/ml).
10 Personen gaben an einen Wert von 40 bis 60 mg/ml zu haben.

Hier bestätigen sich Studien, die zeigen, dass ein Großteil der HS-Patienten einen Vitamin-D-Mangel aufweisen, der mit einer erhöhten Entzündungsneigung und schwereren Krankheitsverläufen assoziiert ist.


Zink
Wirkt antioxidativ und entzündungshemmend. In einigen Studien konnte eine Zink-Supplementierung (z. B. Zinkgluconat) die Symptome von HS verbessern.
Vitamin B12 und Folsäure
Wichtige Cofaktoren bei Zellreparatur und Immunfunktion. Ein Mangel könnte das Risiko für Entzündungen erhöhen. Eine systematische Übersichtsarbeit deutete darauf hin, dass eine Supplementierung von Vitamin B12 bei HS-Patienten zu einer Verbesserung führen kann.
Selen
Unterstützt die antioxidative Abwehr und stärkt das Immunsystem. Obwohl Selen für seine antioxidativen und immunmodulierenden Eigenschaften bekannt ist, gibt es derzeit keine spezifischen Studien, die den Zusammenhang zwischen Selenmangel und HS untersuchen. Dennoch könnte aufgrund seiner allgemeinen Rolle im Immunsystem eine ausreichende Selenversorgung für HS-Patienten von Vorteil sein.

Eisen (Ferritin, Transferrin, Hb)
Chronische Entzündungen können zu funktionellen Eisenmängeln führen (Anämie bei chronischer Erkrankung). Zusätzlich kann Eisenmangel durch Blutverluste entstehen.
Omega-3-Fettsäuren
Starke entzündungshemmende Wirkung, unter anderem durch die Modulation von Zytokinen. Zytokine sind Botenstoffe des Immunsystems, die Entzündungen entweder fördern oder hemmen können. Omega-3-Fettsäuren helfen dabei, das Gleichgewicht dieser Botenstoffe in Richtung einer geringeren Entzündungsreaktion zu verschieben.



Warum wird das so selten gemacht?

● Der Fokus liegt oft auf der symptomatischen Behandlung (Antibiotika, Biologika, Chirurgie).
● Es gibt keine klaren Leitlinien, die Mikronährstoffkontrollen empfehlen.
● Ganzheitliche Ansätze werden oft auch unwissenschaftlich abgetan („Schwurbler"-Vorwurf).
● Desinteresse, Zeitmangel und Kosten in der klassischen Praxis verhindern eine breitere Umsetzung.
● Es gibt zu wenige evidenzbasierte Studien zu diesem Thema.



Mein persönliches Fazit:
Es wäre absolut sinnvoll, bei HS-Patienten eine gezielte Labordiagnostik für Mikronährstoffe durchzuführen - und das bei jedem Schwergrad der HS/Ai/MV und vor allem in regelmäßigen Abständen.

Mein konkreter Appell:


⇒ Ärzte sollten standardmäßig Vitamin D, Zink und Eisen kontrollieren.
Mehr Forschung in dem Bereich ist notwendig.
Patienten sollten selbst aktiv werden.


Mikronährstoffe allein sind sicher keine Wunderlösung, aber sie könnten einen wichtigen Beitrag zur Behandlung von HS/Ai/MV leisten.
Eine regelmäßige Kontrolle sollte deshalb zum Standard werden.



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